Die Geschichte der Kuratie Maria Königin Lehelitz

1947 wurde die Kuratie – damals noch unter dem Namen Behlitz – gegründet. 32 Dörfer gehörten zu dieser katholischen Gemeinde. 1967 wurde die bis heute bestehende Holzbarackenkirche in Lehelitz geweiht. Fünfzehn Jahre lang hatte die Gemeinde zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine eigene Kirche gewartet. Die Idee, eine katholische Kirche in Krostitz zu bauen, war 1952 geboren. Die Zahl der Katholiken war in Folge von Flucht und Vertreibung auf über 2000 angewachsen. Die Bergbaubehörde Halle vereitelte den Plan auf dem 1954 erworbenen Grundstück in Krostitz eine massive Kirche zu bauen. Da das Grundstück im Kohleabbaugebiet lag, genehmigte die Regierung in Berlin nur den Bau einer Barackenkirche. Nach längerem Kampf um die Einfuhrgenehmigung trafen Teile einer vom Erzbistum Paderborn geschenkten Fertigkirche 1958 in Krostitz ein. Der Rat des Kreises verweigerte die Baugenehmigung, weil der Rat der Gemeinde von Krostitz Einspruch eingelegt hatte. Der Bau sei unnötig, da es im Dorf bereits eine evangelische Kirche gebe. Wichtiger sei Industrie-, Landwirtschafts- und Wohnungsbau; zudem würde die katholische Kirche das Dorfbild verschandeln, argumentierten die Gemeinderäte.

Der Protest der Katholiken ist unter anderem aus Briefen ersichtlich, die die Gemeinde an Walter Ulbricht schrieb und aus Briefen, die der Magdeburger Weihbischof Friedrich Maria Rintelen ab 1959 an verschiedene politische Ebenen schickte. 1959 hatte er in einem Brief an die Krostitzer und die unter ähnlichen Problemen leidenden Katholiken von Möser erklärt, dass er sein bisheriges Schweigen im Fall der Barackenkirchen brechen wollte. Unter anderem äußerte er sich zu möglichen Gründen für die behördlichen Schikanen: "Haben wir uns nicht dem Staat gegenüber verhalten, wie es sich für ordentliche Staatsbürger geziemt? Doch, das haben wir, Ihr und ich. Habe ich es unterlassen, dem Staat besondere Propagandadienste zu leisten? Ja, das habe ich unterlassen. Ich halte dafür, dass ein Staatsbürger seine staatsbürgerlichen Pflichten erfüllen muss, aber er braucht dem Staat keine besonderen Propagandadienste zu leisten – zudem haben wir ja auch Trennung von Kirche und Staat."

Vom 1. März 1960 ist ein Schreiben datiert, in dem der Innenminister der DDR vorschlägt, die Krostitzer Bauteile im mecklenburgischen Burg Stargard aufzustellen. Rintelen wies diesen Vorschlag jedoch zurück, da die Kirche den Krostitzern geschenkt worden sei. Erst 1965 kam die Genehmigung für den Kirch- und Pfarrhausbau, nachdem die Gemeinde ihr Krostitzer Grundstück mit einem Landwirt im Nachbardorf Lehelitz eingetauscht hatte. Einige Baumaterialien waren während der jahrelangen Lagerzeit – zeitweise im Freien – bereits vergammelt. Die Gemeinde hatte viele Helfer, unter anderem Katholiken aus Delitzsch und Bad Düben und evangelische Christen aus Krostitz. Im November 1966 war die Kirche Maria Königin fertig, am 8. Oktober 1967 weihte sie Weihbischof Rintelen.