Heilige Familie Bad Düben

Historische Streiflichter

Die Geschichte der heutigen Gemeinde Bad Düben beginnt nach dem 2. Weltkrieg. Katholisches Leben nach der Reformationszeit ist jedoch ab Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisbar.
Zunächst gehörte Düben seelsorgerlich zu Eilenburg, wo 1852 der erste Missionspfarrer seinen Dienst antrat. Ab 1859 (bis 1900) gab es in Düben eine katholische Schule. 1872 erhielt die Missionsstation das heutige Grundstück. Gottesdienste fanden im Obergeschoss des Wohnhauses in einem dort eingerichteten Kapellenraum für die etwa 30 Katholiken bis Mitte des 20. Jahrhunderts statt. Am 25. Juli 1945 kam Pfarrer Anton Killer aus dem Sudetengau zusammen mit anderen in Folge des 2. Weltkrieges aus ihrer Heimat Vertriebenen hier an. Am 22. August 1945 wurde er zum Vikar von Eilenburg mit Sitz in Düben ernannt. Sonntags nahmen in der Regel mehr als 300 Katholiken an den Gottesdiensten teil, die in der recht großen evangelischen Friedhofskapelle stattfanden. Die Zahl der katholischen Christen in Düben dürfte bei knapp 1000 gelegen haben, dazu kamen noch mehr als 1 ½ tausend in den umliegenden Dörfern. Am 27. September 1947 fand erstmals nach der Reformation in Düben wieder eine Firmung statt (über 200 Firmanden). Zum 1. November 1947 wurde Düben zur Kuratie ernannt und erhielt damit Gemeindestatus. Am 24. Juli 1955 erfolgte die Grundsteinlegung für die Kirche, die dann nach vielen Schwierigkeiten der Materialbereitstellung und Zuweisung von Baukapazitäten mit kräftiger finanzieller und manueller Mithilfe der Gemeindemitglieder sowie finanzieller Unterstützung des Erzbistums Paderborn am 2. Juni 1957 geweiht werden konnte. Die Kirche steht unter dem Patronat der Heiligen Familie. Warum diese als Patron ausgewählt wurde, wissen wie heute nicht mehr. Die "Gründungsväter" der Gemeinde konnten wir nicht mehr fragen. Nachdem sich eine Annahme als unbegründet herausgestellt hat, ist davon auszugehen, dass die Bedeutigung und Festigung der Familien in der Nachkriegszeit besonders hervorgehoben werden sollte. Dies können wir gerade heute zu Beginn des 3. Jahrtausends nach Christi Geburt als Auftrag verstehen.

Zum 1. April 1959 wurde Bad Düben zur Pfarrvikarie erhoben. Zur Gemeinde gehörten zu dieser Zeit etwa 1300 Katholiken, davon wohnte gut die Hälfte in Bad Düben.
Ab Januar 1962 leitete Pfarrvikar Alfons Köllner die Gemeinde. Unter seiner Regie wurde das Pfarrhaus umgebaut (1962 –64), eine Garage errichtet (1962), und ein Gemeindesaal mit separaten Toiletten (1966/67) gebaut. Auch hier gab es viele Schwierigkeiten mit Baugenehmigungen, Materialbeschaffungen und Baukapazitäten, aber auch große Aktivitäten der Gemeindemitglieder. 1964 wurde erstmals hier eine Religiöse Kinderwoche (RKW) veranstaltet.

Am 1. Mai 1974 übernahm Pfarrer Günther Sandfort die Gemeinde. Auch in seiner Zeit gab es neben der seelsorgerlichen Arbeit noch viel anderes zu tun. Im Inneren der Kirche wurde im Nachgang zum II. Vatikanischen Konzil ein (mobiler) Zelebrationsaltar und Ambo aufgestellt und die Kommunionbank sowie die Kanzel entfernt (1976). Darüber hinaus musste an den Gebäuden viel ausgebaut, vervollständigt und erneuert werden. Unter anderem wurde die Kirchenheizung "elektrifiziert" (1977), die Toiletten modernisiert (1980) und es wurde ein Kreuz auf dem Kirchturm errichtet (1981). 1984 durfte erstmals ein Mitglied unserer Gemeinde an einer Wallfahrt nach Rom teilnehmen. Im gleichen Jahr wurde durch den evangelischen Kantor die (vorher schon als Kinderchor bestehende) ökumenische Kurrende gegründet, die seither regelmäßig auch in unserer Kirche singt. Seit 1982 werden gemeinsam mit den anderen Christen der Stadt jeweils im November die Friedensdekaden durchgeführt. 1989 brachte die Friedliche Revolution in der damaligen DDR neue Freiheiten. Der Pfarrer und viele Gemeindemitglieder engagierten sich und unterstützten diese Entwicklung. Die Zahl der Gemeindemitglieder war aber in Folge der religions- und kirchenfeindlichen Politik der herrschenden Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und des von ihr gelenkten Staatsapparates sowie den entsprechenden Repressalien gegenüber den Christen, vor allem den Kindern, spürbar zurückgegangen. Nun entfielen zwar diese Repressalien, aber viele Menschen haben sich vom Glauben entfernt bzw. ihn nie kennen gelernt. So entstand hier wie überall in Ostdeutschland die höchste Areligiosität der Welt. Zu dieser Zeit wurden gut 1100 Katholiken zur Gemeinde gezählt. In materieller Hinsicht konnte dagegen in den Folgejahren manches instandgesetzt und verbessert werden. 1991 zogen erstmals die Sternsinger hier durch Stadt und Dörfer. 1993 wurde auf Initiative der damalige Pfarrgemeinderatsvorsitzenden, Frau Liselotte Hickmann, eingebettet in sich anbahnende Beziehungen der Städte, eine Partnerschaft mit der Pfarrgemeinde in Diez / Lahn begründet.
Pfarrer Sandfort ging im Juli 1997 in den Ruhestand in seine alte Heimat. Im September 1997 übernahm Pfarrer Johannes Hofmann die Gemeinde. Er versuchte, sie unter den neuen Bedingungen weiter zu stabilisieren und in seiner Zeit konnten auch einige bauliche Verbesserungen erreicht werden (z. B. Einbau einer Küche im Gemeindehaus, Beginn der Pflasterung des Pfarrhofes). Im August 2002 suchte das Jahrhunderthochwasser der Mulde auch unsere Stadt, vor allem jedoch auch einige Dörfer in der Umgebung heim, wobei zum Teil große Schäden an Gebäuden und der Infrastruktur entstanden. Auch der westliche Teil unseres Grundstücks wurde mehrere Meter hoch überflutet, das Wasser drang aber nur in die hinteren Kellerräume der Kirche und des Gemeindehauses ein. Im Jahr 2013 wiederholte sich das. Zum Weltjugendtag 2005 beherbergten wir eine französische Gruppe und drei Jugendliche aus unserer Gemeinde waren in Köln dabei. Im Ergebnis des "Pastoralen Zukunftsgesprächs" im Bistum Magdeburg, mit dem unter anderem auf die sinkende Katholikenzahl und den Priestermangel reagiert werden soll, wurden einige strukturelle Änderungen angestrebt. In diesem Zusammenhang übernahm Pfarrer Hofmann im September 2006 eine andere Gemeinde.

Bad Düben erhielt nun keinen eigenen Pfarrer mehr. Seit dieser Zeit steht die Pastorale Mitarbeiterin, Frau Gisela Frank, die bereits seit April 1972 hauptamtlich (früher als Kindergärtnerin) in dieser Gemeinde wirkt, als Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung und ist die "Mutter" der Gemeinde. Nachdem übergangsweise ein Gemeindeverbund bestanden hat, wurde mit dem 2. Mai 2010 die Pfarrei "Heilige Familie" Bad Düben aufgehoben und gemeinsam mit anderen Gemeinden in die zum gleichen Zeitpunkt neu gegründete Pfarrei "Sankt Klara" Delitzsch überführt. Die Gemeinde bestand zu dieser Zeit aus gut 500 Katholiken, davon sind durchschnittlich 80 am Sonntag in der Heiligen Messe. 2012 wurde der Chorraum der Kirche grundlegend umgestaltet und u.a. ein neuer Altar geweiht.

Im August 2017 ging Frau Gisela Frank nach 45 Dienstjahren in den Ruhestand. Seitdem wohnt kein hauptamtlicher Mitarbeiter mehr vor Ort.

 

Kleine "Kirchenlehre" der Bad Dübener Kirche "Heilige Familie"

Die Kirche wird auf der Denkmalliste des Landkreises geführt als typischer Sakralbau nach dem 2. Weltkrieg mit regionaler Bedeutung.
Sie ist einer dreischiffigen romanischen Basilika mit einer balkengetragenen Flachdecke nachempfunden (Architekt Johannes Reuter (1897-1975), Bitterfeld / Kassel).
Der Grundstein (am Eingang links) wurde am 24.07.1955 gelegt. Die Weihe erfolgte am 2.7.1957.
Auf das Patronat weist eine Drahtplastik (Hildegard Hendrichs (1923-2013), Erfurt; Ausführung: Franz Neumann, Bad Düben, 1965) auf dem Kirchenvorhof an der Giebelwand des Pfarrhauses hin.
Die Kirche ist 23,34 m lang und 10,26 m breit. Die Firsthöhe des Kirchenschiffs beträgt 11,90 m und der Turm ist einschließlich des 1,90 m großen Kreuzes (1981) 20,20 m hoch.
lm Turm hängen drei Glocken (Schilling & Lattermann, Apolda) mit 102 cm, 85 cm und 75 cm Durchmesser sowie 430 kg, 250 kg und 180 kg Gewicht in den Stimmlagen h', d", e". Sie tragen die Namen Jesus, Maria bzw. Josef (= Heilige Familie).
Über dem Portal ist außen eine Statue Johannes des Täufers (mit Lamm auf dem Arm) angebracht (Sandstein; Entwurf: Tramnitz, Bernburg; Ausführung: Schuhmacher). Er weist auf Jesus (Lamm Gottes) hin und lädt zum Eintritt ein.
Größere Kunstschätze sind nicht vorhanden.
Im Sommer 2012 wurde die Kirche z.T. saniert und insbesondere der Chorraum entsprechend den Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils umgestaltet. Der frühere (seit 1976 nicht mehr genutzte) Hochaltar wurde abgebaut und der seither genutzte mobile Zelebrationsaltar und Ambo wurden ersetzt. Es ist bemerkenswert, dass Altar, Ambo und Tabernakelstele aus dem gleichen Material wie der Chorraumfußboden bestehen (Rochlitzer Porphyr) und auffallend senkrechte Strukturen zeigen. Sie "wachsen" quasi aus dem Boden, dem Himmel entgegen.  Während der Altar relativ elegant erscheint, macht der Ambo einen wuchtigen Eindruck und er steht noch hervorgehoben auf einem extra Stein. Der Sinn dahinter: Am Ambo wird das Wort Gottes verkündet, nicht "weichgewaschen", manchmal "sperrig", man kann sich an ihm "reiben", sollte man sich mit ihm auseinandersetzen. Bei dem extra Podest, auf dem der Ambo steht, kann man an den "Eckstein" aus dem Alten Testament oder auch an das Wort Jesu vom Fels, auf dem er seine Kirche bauen will, denken. Die Altarplatte ruht auf 10 Säulen. Auch hier lässt sich ein Sinn erkennen: Zehn  ist die Zahl der Ratio, der Vernunft (Dezimalsystem). Auf dem Altar wird Eucharistie gegenwärtig, die Erlösungstat Christi. Das ist die zentrale Stelle des Glaubens. So wird in und an diesem Altar Glaube und Vernunft sinnhaft verbunden. Das war übrigens auch eines der zentralen Themen von Papst Benedikt XVI. Vor dem (neuen) Altar wurden Reliquien des Hl. Burchard und des Sel. Jakob Kern beigesetzt. Das frühere Altarbild wurde an etwa der gleichen Stelle wie zuvor nun an der Chorraumrückwand angebracht. Das Bild (Flügelretabel, 1957; Walter Möbius (1902-1979), Greppin) zeigt in der Mitte oben in Anlehnung an romanische Stilrichtungen den thronenden Christus inmitten der Heiligen. Umrahmt wird dies unten und auf den Flügeln von Szenen aus dem Leben der Heiligen Familie. In der Geburtsszene hat der Künstler neben die Hirten aus jener Zeit auch Menschen aus dem 20. Jhd. (mit deutlichen Zeichen der Entbehrungen nach dem II. Weltkrieg) gestellt und so quasi uns mit in das Weihnachtsgeschehen hineingenommen (siehe Bildergalerie Bad Düben unter "Kontakt"). Die Rückseite der Flügel (Retabel der Advents- und Fastenzeit) zeigt ein Kreuz mit Korpus und der Aufschrift "Sei gegrüßt Kreuz - einzige Hoffnung". Der Taufstein ist wie der Altar aus Rochlitzer Porphyr. Ein Kreuz mit Korpus (der möglicherweise aus einem Barockaltar des 17. Jhd stammt und später mit dem Holzkreuz zusammengefügt wurde), Marienstatue (Lindenholz, Hendrichs, Erfurt, 1967) und Kreuzwegstationen (Tramnitz, Bernburg) vervollständigen die Einrichtung.
Die Kirche hat (ohne Empore) etwa 100 Sitzplätze.
Die Orgel (Voigt, Bad Liebenwerda, 1994) hat 1 Manual und 9 ½ Register.

Anmerkungen: Kirchenfenster: Isenmann & Seyffart, Naumburg und Pfarrhausfenster: Johannes Römer, Leipzig, 1964, nach Entwurf Becker/Köllner