Christkönig Löbnitz

Zur Geschichte der katholischen Kirche "Christkönig" in Löbnitz und ihrer Gemeinde

Die Geschichte der Löbnitzer katholischen Kirche und ihrer Gemeinde ist noch sehr jung. Löbnitz war bis zu den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts ein nahezu rein evangelisches Dorf. Erst mit den Siedlerfamilien, die 1936 in das Dorf kamen, kam auch eine nennenswerte Anzahl von Katholiken. Neun katholische Familien aus Westfalen waren unter den Siedlern, genug, um ein eigenes Gemeindeleben zu beginnen, nicht genug, um eine eigene Kirche zu bauen. So besuchten diese Familien den Gottesdienst in Bitterfeld oder Delitzsch, bevor sie in Eigenleistung eine kleine Notkapelle baute. Familie Langehenke stellte ihren Heuboden dazu zur Verfügung. Am 1. Oktober 1938 fand die Einweihung der Kapelle statt, welche Herr Pfarrer Schlinkert aus Delitzsch übernahm. Seelsorgerisch betreut wurde die kleine Gemeinde durch Bitterfelder oder Delitzscher Pfarrer. Bis 1945/46 blieb dies so, dann aber kamen aus dem Sudetenland, aus Schlesien und aus Ostpreußen viele Umsiedler. Eng wurde es in dem als Kapelle genutzten Heuboden, in manchem Gottesdienst rannten Mäuse durch den Raum oder über den Altar, erinnerten sich noch Jahre später die Dabeigewesenen. Die unzureichenden räumlichen Bedingungen erkannte auch der Erbischof Lorenz Jäger, der im November 1954 die Firmung in der festlich geschmückten, aber überfüllten Kapelle spendete. Der Beschluss zum Kirchenbau wurde gefasst und in die Tat umgesetzt. Bereits 1955 begann man mit Bauarbeiten auf dem erworbenen Grundstück in der Delitzscher Straße gegenüber vom Friedhof. Als Projektant wurde der Bitterfelder Baumeister Johannes Reuter verpflichtet, der Erfahrungen im Kirchenbau hatte. Zeitgleich entstanden nahezu baugleiche Kirchen in Bad Düben und Zwochau. Den größten Teil der Arbeiten haben in unermüdlichem Eifer die Leute aus der Gemeinde übernommen. So war es möglich, im Jahre 1956 nach großem Einsatz aller, die Kirche feierlich ihrer Nutzung zu übergeben. Weihbischof Friedrich Maria Rintelen weihte sie als Christkönigskirche ein. Die Zeit des Kirchenbaues und die Tatsache, dass man nun ein eigenes würdiges Gotteshaus hatte, festigte und prägte die Gemeinde entscheidend. Zur Weihe der Kirche konnte der Bischof noch nicht mit Glockengeläut empfangen werden; die Glocken fehlten noch. Doch bereits im Jahre 1958 kamen zwei Glocken aus Apolda. Diese sind mit den drei Glocken der evangelischen Kirche in Löbnitz abgestimmt, sodass sie beim gleichzeitigen Läuten im Klang miteinander harmonieren. Im Jahr 1967 wurde die bisherige Kuratie Löbnitz zur Pfarrvikarie erhoben und musste sich im Juli des gleichen Jahres von Pfarrer Josef Faulhaber nach 15-jähriger Tätigkeit in Löbnitz verabschieden. Sein Nachfolger wurde bis 1974 Pfarrer Johannes Grams. Mit Pfarrer Ulrich Berger (ab 1974) erhielt die katholische Gemeinde 1976 eine Orgel, keine eigene, sondern eine aus Teilen der Orgel der Herz-Jesu-Kirche in Sangerhausen stammende, neu zusammengesetzte Orgel. Pfarrer Bergers Tätigkeit im Baubereich führte dazu, dass in Löbnitz notwendige Arbeiten organisiert und in Angriff genommen wurden, so z.B. die Erneuerung der Kirchenheizung, die Renovation des Kirchturmes, die neue Betonierung des Pfarrhofes. Die umfangreichste Arbeit jedoch war die des Erweiterunsgbaues des Gemeinderaumes mit neuen Sanitäranlagen. Nach zwei weiteren Pfarrern (Alfred Heide, Ludwig Stegl) übernahm 1994 Pfarrer Leo Nöhring die Gemeinde Löbnitz. Dieser führt alle Veranstaltungen und Arbeiten im Sinne seiner Vorgänger weiter. Dazu gehörten auch die ökumenischen Veranstaltungen, wie z.B. Gemeindefest, Martinsfest, Erntedankfest. In die Amtszeit von Pfarrer Nöhring fallen notwendige Bauarbeiten an der Kirche, dem Gemeinderaum und dem Pfarrhaus, das heute nicht mehr von der Gemeinde genutzt wird, sondern inzwischen als Wohnhaus vermietet ist. Die Amtszeit von Pfarrer Nöhring ging 1998 zu Ende. Seit diesem Zeitpunkt hatte die Gemeinde keinen Pfarrer mehr am Ort, sondern wurde zunächst von Pfarrer Hans Hofmann aus Bad Düben betreut. 2000 wurde der Eingangsbereich der Kirche neu gestaltet, sodass dieser ein würdigeres Aussehen annahm. Im September 2002 wurde die Innenausmalung der Kirche vollzogen. 2004 gab es einen neuen Außenanstrich und 2005 erfolgten umfangreiche Sicherungsarbeiten am Glockenstuhl. Ein Höhepunkt in der jüngsten Geschichte der Gemeinde Löbnitz ist der 10. Juli 2005, an dem die katholische Gemeinde mit etwa 140 Gästen und einem Festgottesdienst mit anschließendem Gemeindefest den 50. Jahrestag der Grundsteinlegung feierte. Das Fest klang aus und viele waren der Meinung, dass man sich doch öfter in solcher Gemeinschaft zusammenfinden sollte.